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Bangkok

Thailand, 04. January 2019
Dass ich eine ganze Stunde weine, während mich der Flieger von Hamburg nach Düsseldorf bringt, hätte ich im Leben nicht gedacht. Seit Monaten warte ich darauf alles hinter mir zu lassen und meinen ganz persönlichen Abendteuertrip zu beginnen und das Erste was ich mache als ich im Flieger sitze, ist weinen. Aber wer kann es einem verdenken?! - Es ist gar nicht so einfach die Freunde und die Familie für so einen langen Zeitraum zurückzulassen. Sieben ganze Monate sind geplant. Wenn man es überhaupt "planen" nennen kann, denn eigentlich gibt es nur einen Oneway Flug nach Thailand und jede Menge Ideen wohin es gehen kann. In der Vorstellung ist es natürlich perfekt! Ich finde mich selber, bin so viel klüger wenn ich wieder komme und reifer. Aber wodurch kommt so eine Reife? - Sicher nicht dadurch, dass alles glatt läuft!
Bevor wir landen, habe ich von zehn Stunden Flug beinahe die Hälfte der Zeit einen etwas ausladenden Engländer auf meinem Schoß liegen, der Dank seiner Schlaftabletten seelig alle Viere von sich streckt. Ich bin erleichtert als der Pilot unsere Ankunft in Bangkok ankündigt.
Sich dort zurecht zu finden ist schon am Flughafen eine echte Aufgabe. Ich bin in einem anderen Land, also läuft auch hier selbstverständlich alles anders ab als in Deutschland. Es dauert etwas bis ich heraus finde, dass ich nicht einfach ein Taxi rufen kann, es hält an und fährt mich dort hin wo ich hin will. Nein, ich muss mich in eine Schlange stellen und ein Ticket ziehen mit einer Nummer eines Wagens, der mich dann dort hin bringt wo ich hin möchte. Diese Erkenntnis lässt eine Stunde auf sich warten. Jene Zeit verbringe ich damit hektisch und völlig übermüdet durch die Gegend zu laufen und das mit 16 kg auf dem Rücken bei locker 30 Grad. Ich bin froh, dass der Fahrer nett ist und das Taxi eine Klimaanlage hat. Ich schlafe direkt ein, als ich im Auto sitze. Was für ein Vetrauen. Der Taxifahrer hätte mich ausrauben oder entführen können und ich hätte es noch nicht einmal mitbekommen.
Die Straße in der sich mein Hostel befindet ist bunt, belebt und laut. Ich beziehe mein privates Zimmer, was klein aber sauber ist.Trotz meiner Erschöpfung bin ich gespannt was mich draußen erwartet, denn der enorme Hunger, den ich verspüre, will gestillt werden.
Meine Nase versucht irgendetwas vertrautes aus einem bunten Intermezzo von Gerüchen herauszufiltern, doch keine Chance. Meine Augen helfen mir auch nicht weiter. Ausnahmslos alles, was ich an den zahlreichen Straßenständen, an denen gebraten, gekocht und fritiert wird, sehe, kenne ich nicht. Außer Pommes. Für die Ich mich schließlich entscheide, denn für etwas anderes fehlt mir in meinem Zustand der Mut. Ich setze mich auf eine kleinen Treppe in Mitten eines schwirrenden Schwarms aus Menschen, Motorrollern, Katzen, Hunden und schrill tönender Thai Musik und fühle mich ehrlich gesagt so einsam wie noch nie zuvor.
Die Nacht wird leise und lang. Ich habe dicke Augen und dicke Füße als ich aufwache. Das Klima und die Tränen sind schuld daran. Der Kaffee und das mitgebuchte Frühstück verbessern meinen Zustand nur geringfügig denn beides schmeckt, sagen wir ungewohnt. Trotz meiner mehr als melancholischen Stimmung wage ich mich ein Stück die Strasse hinunter und gelange an die Hauptverkehrsstraße, die sich auch nach mehrmaligen Versuchen nicht überqueren lässt. Ich drehe mich im warsten Sinne des Wortes ein paar Mal im Kreis und kehre dann frustriert wieder in meine Strasse zurück. Ich beschließe dass ich zu müde bin, um mich Bangkok zu stellen und lege mich nochmal für ein paar Stunden hin. Danach ist es auch nicht viel besser, ich weine immernoch ständig los und fühle mich überfordert, bis mich meine Herzensmenschen von Zuhause via WhatsApp aufbauen und Katja, die "asienerprobt" ist, mir zu einer Thaimassage rät und meint ich soll einfach los laufen. Wenn ich mich nicht orientieren kann, könne ich mich für den Rückweg einfach in ein Tuktuk setzen und dem Fahrer die Adresse zeigen. Er würde mich dann schon zu meiner Bleibe zurück bringen. Diese Information ist Gold wert und ich bin schon gleich etwas mutiger. Habe mich an diese rasante Stadt etwas gewöhnt.
Am nächsten Tag fühle ich mich tausend Mal besser. Der Jetlag ist überwunden, ich habe mich an meinem ersten Thai Essen probiert und weiß wo der Starbucks ist, bei dem ich zwar teuren aber vernünftigen Kaffee bekomme. Mit dem schlendere ich frohen Mutes los, fest entschlossen herauszufinden wie ich Bangkok verlassen kann. Hier möchte ich keinesfalls länger als nötig bleiben. Von der U-Bahn Station um die Ecke möchte ich zur Central Station fahren, was aber utopisch ist, denn der Fahrplan ist unübersichtlich und ich kriege keinen roten Faden. Es gibt keine Gesamtübersicht über das Öffinetz und so drehe ich erneut um und frage an einer Straßenecke einen Tuktukfahrer von welcher Station ich nach Chiang Mai, in den Norden von Thailand komme. Er guckt mich etwas "spanisch" an und bietet mir dann an mich zu einer Touristen -Information zu fahren. Ich nehme dankend an. Im nachhinein hätte ich den Tuktukfahrer küssen können, so froh bin ich.
Die Touristeninformation ist eigentlich ein Reisebüro, was Touren jeglicher Art anbietet. Ich hatte schon gehört, dass die Tuktukfahrer Vereinbarungen mit einigen Geschäften haben, zu denen sie die Touristen bringen und dafür eine Provision kassieren. Das ist mir aber in diesem Moment egal. Dankbar höre ich zu was mir Olli, der Reisebüromensch, über Chiang Mai, die Fahrtmöglichkeiten dort hin und seinen Bruder, der in Chiang Mai lebt, erzählt. Gemeinsam arbeiten wir meine nächsten Tage aus.
Ich erzähle Olli von meinem Wunsch Elefanten sehen zu wollen, aber nicht in einem herkömmlichen Park in dem die Elefanten nicht artgerecht gehalten werden, sondern in einem Park wo sie gut behandelt werden. Auch diesen Wunsch erfüllt er mir. Er bucht mich dort für zwei Tage und eine Nacht ein und versichert mir, dass ich von meinem Hostel in Chiang Mai, dem Deejaj Backpacker Hostel abgeholt werde und nach meiner Tour zu den Elefanten auch wieder dorthin zurück gebracht werde. Ich bin super glücklich und voller Vorfreude als ich in meine kleine Absteige zurückkehre, um meine Sachen zu packen.
Olli grinst breit als er wie versprochen um kurz vor 12 am nächsten Tag vor dem Hostel steht und auf mich wartet. Zu meinem Erstaunen hat er eine Schürze an und sieht gar nicht mehr aus wie der Mann aus dem Reisebüro. Ich frage ihn danach während wir zum nächsten Tuktuk stiefeln - seine Antwort: Ich habe heute frei! Ich erwiedere nichts! Bin nur erstaunt darüber wie anders hier alles zu laufen scheint. Wir fahren zum Reisebüro, wo mein Gepäck einige Stunden auf mich warten soll, während ich los ziehe und mich noch mal in das Gewirr dieser riesigen Stadt stürze. Noch habe ich keine Idee was ich machem soll bis mich der Bus in einigen Stunden nach Chiang Mai bringt. Aber ich brauche mir keine Sorgen zu machen, denn auch das hat Olli sich überlegt. Hat der Mann überhaupt geschlafen? "Zuerst bekommst du was zu Essen!" sagt er und pfeift das nächste Tuktuk heran. Nach nur 5 Minuten Fahrt halten wir an einer Straßenecke, an der er an seinem freien Tag offenbar seiner zweiten Beschäftigung nach geht. Er ist einer der vielen Thai die an einem Straßenstand ihre Ware feilbieten. Er kocht mir etwas und es ist köstlich. Ein Getränk und einige Sightseeing Tips gibt es ebenso gratis dazu. Während ich esse, lerne ich Maik kennen der auch noch ein paar gute Tipps parat hat und schon mehrfach in Thailand und Vietnam unterwegs war. Allmählich wirds!
Ich befolge die Ratschläge der beiden und habe wiedererwartend einen tollen Tag. Erst schlenderte ich über einen kleinen Markt am Fluß, fahre dann mit einem öffentlichen Boot für nur 15B über diesen und besuche einen Tempel. Letztendlich lande ich dann in China Town, wo sich so viele Menschen durch die Straßen schieben, dass ich glaube dort nie wieder herauszukommen. Nach 3 Stunden sehne mich doll nach einer Klimaanlage, besorge mir ein Taxi und lasse mich in die nächste Mall fahren. Dort mache ich richtig auf Tourist, lasse mir die Nägel machen, erstehe noch einen Starbuckscoffee und kehre dann zum verabredeten Zeitpunkt ins Reisebüro zurück, wo Olli bereits auf mich wartet.
"Du fährst heute nicht mit dem Bus!" sagt er, als er mich sieht. Dieser Mann ist ein Phänomen. Er hat es geschafft mich doch noch auf den Nachtzug zu buchen. "So hast du wenigstens ein Bett" sagt er und bringt mich persönlich zum Bahnhof, versorgt mich noch mit allerhand guten Tipps und Informationen und verabschiedet sich dann mit einer herzlichen Umarmung von mir, bevor ich Bangkok endlich verlasse.
China Town
Tuktuk

Bangkok

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