( Overview
/ Indonesien 2019. Vaterland.
Der kleine alte Mann
Der Tempeltag klang völlig schräg, sehr ekelhaft und zugleich so unfassbar rührend aus.
Über drei Stunden steckte mein Zug irgendwo im Nirgendwo fest. Da klar war, dass ich meinen Anschlusszug nicht bekommen würde, müsste ich mein Hostel stornieren und neu überlegen: wo übernachte ich und wie komme ich von dort morgen nach Bandung?
Purwokerto hieß das Ziel, das war von der Station, an der der Zug endete, in 50 Minuten zu erreichen. Am Bahnhof in Kroya das übliche Spiel: noch während der Einfahrt in den Bahnhof checken, wo die GOJEK-Fahrer stecken. Aussteigen, sich durch die Menschen, die am Bahnhof Taxen, Essen oder Schickschnack an den Mann/ die Frau bringen wollen, drängeln und einen Fahrer übers Handy bestellen. Hostel während der Fahrt buchen.
Nach 50 Minuten stand ich vor einem (für indonesische Verhältnisse) noblen Haus an. Grundstück vergittert, ein uniformierter Mann öffnete und bat mich, zu warten. Also -er befahl es. Ein kleiner alter Mann führte mich im Trippelschritt in den Hof. Dort stand ein Stuhl, ein Schreibtisch und gegenüber ein Sessel. Die Situation muss wie ein Behördenbesuch ausgesehen haben -so fühlte sich zumindest der Moment an, in dem der kleine alte Mann meine Personalien aufnahm.
Meine Personalien für....eine als Zimmer eingerichtete Garage:
Schmutzig, muffig, voller Moskitos und Ameisen. Auf der Terrasse ein verwittertet zerbrochener Plastikstuhl, der kleine Mann brachte noch einen passenden Hocker als Tisch.
Passend zum Rest ein 2 Quadratmeter-Bad: eine Toilette mit der üblichen Eimer-Spülung (neben der Toilette ein Fass/Eimer mit Wasser, dazu eine Kelle zum Spülwasser schöpfen) und an der Wand ein Dusche. Kein Waschbecken. Auch hier Moskitos und Ameisen. Der Wasserhahn tropfte, der Einer darunter war längst übergelaufen -dementsprechend nass war der Boden.
Meine letzte Mahlzeit war exakt 24 Stunden her, abgesehen von dem weichen Schokoriegel auf der Zugfahrt.
Ab da wurde es rührend:
Beim Italiener ein Knoblauch-Mozzarella-Sandwich bestellt. Den uniformierten Mann gefragt, wo man hier ein Bier kaufen könne (mir wäre nach Wein zumute gewesen, aber den bekommt man hier ungefähr genausogut wie frische Renken in Leipzig). Herr Uniform holte daraufhin mit seinem Motorrad ein warmes Bier und einen Joghurtbecher voll mit gefrorenem Wasser, der kleine Mann brachte das Glas, alle wollten ein Photo haben und Herr Uniform spielte mit seinen uniformierten Freunden „von den Blauen Bergen kommen wir“ auf der Mundharmonika.
Zwischen dem Liederabend und dem wirklich rührenden Frühstück zum Abschied lag eine Nacht im Kokon:
Mit der Klimaanlage das Zimmer in einen Kühlschrank verwandelt und in voller Montur inklusive Kapuze in Moskitonetz, Schlafsack und Sarong abgetaucht...
Nachtrag am nächsten Morgen: auch zum Abschied war der kleine Mann rührend...hat mich zum Auto gebracht und meine Hände kaum mehr losgelassen -richtig herzlich.
Der Tempeltag klang völlig schräg, sehr ekelhaft und zugleich so unfassbar rührend aus.
Über drei Stunden steckte mein Zug irgendwo im Nirgendwo fest. Da klar war, dass ich meinen Anschlusszug nicht bekommen würde, müsste ich mein Hostel stornieren und neu überlegen: wo übernachte ich und wie komme ich von dort morgen nach Bandung?
Purwokerto hieß das Ziel, das war von der Station, an der der Zug endete, in 50 Minuten zu erreichen. Am Bahnhof in Kroya das übliche Spiel: noch während der Einfahrt in den Bahnhof checken, wo die GOJEK-Fahrer stecken. Aussteigen, sich durch die Menschen, die am Bahnhof Taxen, Essen oder Schickschnack an den Mann/ die Frau bringen wollen, drängeln und einen Fahrer übers Handy bestellen. Hostel während der Fahrt buchen.
Nach 50 Minuten stand ich vor einem (für indonesische Verhältnisse) noblen Haus an. Grundstück vergittert, ein uniformierter Mann öffnete und bat mich, zu warten. Also -er befahl es. Ein kleiner alter Mann führte mich im Trippelschritt in den Hof. Dort stand ein Stuhl, ein Schreibtisch und gegenüber ein Sessel. Die Situation muss wie ein Behördenbesuch ausgesehen haben -so fühlte sich zumindest der Moment an, in dem der kleine alte Mann meine Personalien aufnahm.
Meine Personalien für....eine als Zimmer eingerichtete Garage:
Schmutzig, muffig, voller Moskitos und Ameisen. Auf der Terrasse ein verwittertet zerbrochener Plastikstuhl, der kleine Mann brachte noch einen passenden Hocker als Tisch.
Passend zum Rest ein 2 Quadratmeter-Bad: eine Toilette mit der üblichen Eimer-Spülung (neben der Toilette ein Fass/Eimer mit Wasser, dazu eine Kelle zum Spülwasser schöpfen) und an der Wand ein Dusche. Kein Waschbecken. Auch hier Moskitos und Ameisen. Der Wasserhahn tropfte, der Einer darunter war längst übergelaufen -dementsprechend nass war der Boden.
Meine letzte Mahlzeit war exakt 24 Stunden her, abgesehen von dem weichen Schokoriegel auf der Zugfahrt.
Ab da wurde es rührend:
Beim Italiener ein Knoblauch-Mozzarella-Sandwich bestellt. Den uniformierten Mann gefragt, wo man hier ein Bier kaufen könne (mir wäre nach Wein zumute gewesen, aber den bekommt man hier ungefähr genausogut wie frische Renken in Leipzig). Herr Uniform holte daraufhin mit seinem Motorrad ein warmes Bier und einen Joghurtbecher voll mit gefrorenem Wasser, der kleine Mann brachte das Glas, alle wollten ein Photo haben und Herr Uniform spielte mit seinen uniformierten Freunden „von den Blauen Bergen kommen wir“ auf der Mundharmonika.
Zwischen dem Liederabend und dem wirklich rührenden Frühstück zum Abschied lag eine Nacht im Kokon:
Mit der Klimaanlage das Zimmer in einen Kühlschrank verwandelt und in voller Montur inklusive Kapuze in Moskitonetz, Schlafsack und Sarong abgetaucht...
Nachtrag am nächsten Morgen: auch zum Abschied war der kleine Mann rührend...hat mich zum Auto gebracht und meine Hände kaum mehr losgelassen -richtig herzlich.
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