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/ Indonesien 2019. Vaterland.

Benda

Indonesien, 04. August 2019
24 Stunden nach „Angst“ ist die Normalität gänzlich zurück. Mit einer kleinen Restangst. Aber -Ani, unsere Gastmutter lenkt uns ab. Mittags bereitet sie frische Calamari zu (sie schmecken, dabei mag ich die Saugnäpfe dieser glibberigen Wesen gar nicht. Ich ignoriere sie. Sie schmecken.).
Anschließend Massage mit Meerblick -hätten dabei die Mini-Ameisen nicht versucht, mich zu fressen, hätte ich sie noch mehr genießen können. Während Doni mit seinen Jungs zum Angeln loszieht, sitzen wir an der Bar und schauen Dieter beim Brötchen backen zu (seine Kreationen sind köstlich!).
Abends lädt uns Ani zu einer Grand-Opening-Party ein -wir setzen uns gespannt auf unsere Motorbikes und folgen ihr.
Live-Musik, eine Kopi-Bar mit „richtigen“ Kaffeespezialitäten unzählige Mocktails (die alkoholfreien Muslime sind bezüglich ihrer Getränkekreationen einfallsreich) und natürlich Karaoke, das darf hier nicht fehlen. Jeder will Karaoke. Also, fast jeder...
Wir wollen weder Karaoke singen noch hören und ziehen weiter zur nächsten Location.
Wieder eine Livebühne mit verschiedenen Bands, wieder Mocktails und riesige Burger.
Hier staune ich. Ich sehe die erste Frau, die raucht. Und ein Publikum, dass eher zu einer koreanischen-indonesischen Kunstuniversität passt, als in dieses verschlafene Küstenörtchen, das seine besten Zeiten in den 80ern hatte. Wir schauen, lauschen, tanzen. Und -ich staune wieder:
Während Ashlee und ich an den Edelstahlstrohalmen (Plastik ist hier out) in unseren frisch gepressten Säften und Mocktails saugen verschwindet die Chefin mit Anis Melonensaft kurz in der Küche.
Kichern. Ani nippelt an ihren Strohalm, reicht mir grinsend ihr Glas und flüstert „help me“.
Der Melonensaft schmeckt nun eindeutig nach Alkohol.
Ich lerne: es gibt auch auf der alkoholfreien muslimischen Insel Java Hintertürchen. Oder eher Türen. Köstliche Türen.
Ani flüstert mir ins Ohr. „If you want some whiskey -she got some.“ Ich verzichte. Die Kombination aus Whiskey nach so vielen Tagen ohne Wein & Co und meinem Auftrag, später Ashlee und mich durch die dunklen Straßen des Ortes auf Dieters rostigem Motorbike heimzubringen, erscheint mir ungut. Ich bleibe beim Saft. Und tanze...

Heute Morgen dann wieder einer dieser Abschiede von lieben Reisegefährten. Mein Fahrer bringt mich in gut fünf Stunden ins 150km entfernte Java ins FM7 Resort am Airport. Ich tausche Bambushütte und Schwefeldusche gegen Luxusunterkunft. Lackiere meine Fußnägel, buche ein Wellnesspaket und beende den Tag auf der RooftopBar mit einem Cock- statt Mocktail. Ganz offiziell bestellter Alkohol. Langsame Annäherung an das Leben vor Gruppenschlafräumen, giftigen Raupen und kalten Duschen.
Gute Nacht aus Jakarta!
Abschied von Pelabuhanratu
Letzter Bananapancake von Ani
Aufwachort
Einschlafort

Benda

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