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/ Thalaysia querfeldein

Chaiya

, 26. December 2016
Die Nacht im Chongko Farmstay endet als Frühstück auf der Terrasse des Anwesens mit atemberaubendem Blick in den morgendlichen Dschungel. Ich wurde von den hier Ansässigen bereits darauf hingewiesen, dass das Plantagen seien, aber es ist mir völlig egal, wie die meinen Dschungel nennen.
Versehentlich setze ich mich an den bereits gedeckten Tisch der einzig anderen Gäste, Pensionisten aus Bangkok, die als Langzeitmieter einen der Bungalows bezogen haben. Ich nippe an deren Kaffee, erfreue mich, wiewohl gewöhnungsbedürftig, an Thai Frühstück während die Vermieter in der Küche an der continental Variante basteln. Ich grüße höflichst die nun aufgetauchten Gäste, deren Tisch und Frühstück ich in Beschlag genommen habe, die mir aber aufgrund mentalitätsbedingter Unterschiede nicht schonungslos mitteilen, dass ich mich gefälligst zu schleichen habe, sondern erdulden die Entgleisung ihres Tagesbeginnns mit einer Gelassenheit, wie sie nur von Menschen in diesen Breitengraden zu erwarten ist. Erst als Lumhab lächelnd, ohne ein Wort zu sagen, ein Tablett mit Spiegeleiern, Toast und Früchteplatte auf den zweiten Tisch daneben stellt, wird mir augenblicklich bewusst, dass der Pokal in der Kategorie "Lapsus des Tages" nach Österreich geht.
Nach dem ich de facto nun zweimal gefrühstückt habe, erfolgt die herzliche Verabschiedung.
Back on the road.
Und heute soll ich erstmals in Bedrängnis geraten. Wiewohl nicht ernsthaft, aber doch körperlich zehrend bis unangenehm, da meine, dem Titel des Blogs gerecht werdende Routenplanung über diverse offroad tracks mich heute in die Sch... in den Schlamm reitet.
Der heftige Regen, der mich vor wenigen Tagen kurz vor Chumphon heimgesucht hat, dürfte hier in der XL Variante gewütet haben. Die nicht asphaltierten Wege sind stellenweise noch drei Tage nach dem Guss tiefe, schlammige Furchen, die sich durch die hohe Luftfeuchtigkeit mühelos der Trocknung verweigern können und den Eindruck erwecken es hätte erst vor drei Stunden zu schütten aufgehört. In ihrer Hartnäckigkeit erinnern sie mich an daheim, an die im März verbliebenen Schneereste, die bei schattigen Waldrändern trotzig in der Ecke hocken und wochenlang dem herannahenden Frühling den Mittelfinger entgegen strecken.
Ich rutsche, ich sacke ein und entscheide leider zu spät, an die letzte Abzweigung mit Asphaltstraße zurückzukehren.
Und nun passiert es, dass die Piste, die mich tief in den Dschungel, meinen Dschungel, geführt hat von der Flut weggerissen wurde. Keine Chance weiterzukommen. Und das Kartenmaterial meiner Navigation zeigt hier überhaupt keinen Weg, ich folge ja lediglich dem von google maps importierten track, der da entlangführt, wo es nicht weiter geht, weil durch eine kraterartige Öffnung unterbrochen, über die ich Rad und Gepäck nie und nimmer schleppen kann. Jetzt alles zurück durch die Schlammgruben der letzten halben Stunde? No way. Plan B. Der Weg, der rechts weiterführt, ist zwar nicht auf meiner Karte verzeichnet, führt aber in Richtung einer größeren Straße, die sehr wohl eingezeichnet ist und sich in nur knapp 2km Entfernung befindet.
Wag' ich es? Ich wage es. Und fahre zum ersten Mal ins Blaue. Mitten im Dschungel, also der Dschungel, den sie Plantage nannten.
Wenige Minuten später stehe ich schon leicht entnervt vor der nächsten Herausforderung. Auch hier wurde die Straße weggespült. Das hier klaffende Loch wurde aber mit zwei Holzplanken verbunden, sodass artistisch veranlagte Plantagenarbeiter hier einen auf Roncalli machen und die Planken tatsächlich als Brückensubstitut nützen.
Wag' ich es? Ich ... Sie kennen die Antwort.
Ich sehe es als Sühne für das gestohlene Frühstück, als ich mit dem schwer bepackten Fahrrad, nur ja nicht das Gleichgewicht verlierend, über diese Planken balanciere. Und ich gestehe ein leichtes Unwohlsein, denn nur der kleinste Fehler in der Balance würde mich gnadenlos in die Grube stürzen.
Der Balanceakt gelingt und nach einer letzten Schlammschlacht wate ich durch die bereits heftige Hitze des herannahenden Mittags und bin unendlich glücklich, als ich wieder trockenen Asphalt unter mir spüre.
Da war die offroad Welt noch in Ordnung
End of the road. 30 Minuten nach der letzten Asphaltkreuzung
Die Alternative...
Mit dem Balanceakt, der darauf folgte, komm ich irgendwann noch groß raus.
Bald darauf wieder business as usual
Bed with a view. Knapp vor 22:00h geb' ich w.o. und träume von Planken, die sich als Brücke verkleiden. Gute Nacht!

Chaiya

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